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Bohlsbacher "Krabbenaze" fledderten König Kurt

BOHLSBACH                                                                

Die Ortenauer Narren werden morgen, Samstag 10.Februar mit Sicherheit die ZDF-Sendung 1"Überall ist Karneval" verfolgen. Narren, Jecken, Karnevalisten und Fasnachter aus ganzDeutschland hatten sich kürzlich in Koblenz eingefunden und stellten dort ihr närrisches Können unter Beweis. Mit dabei: Bohlsbachs "Krabbenaze". Die Bohlsbacher Narrenzunft weilte zusammen mit ONB-Präsidenten Otto Schnur in Koblenz, um dort ihr "Hängen und Fleddern" und damit alemannisches Fasentbrauchtum zu präsentieren. So mancher Prominente kam schon in den Genuss dieses berüchtigten Gags. Die hartgesottenen "Krabbenaze" schrecken bekanntlich vor keiner Persönlichkeit zurück. Nach Tanzmariechen, einigen Büttenreden und so mancher Gaudi sollte wieder ein Prominenter besondere Bekanntschaft mit demBock und Seiler machen. Diesmal war es der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck, der unter lautem Trommelwirbel des Fanfarenzuges auf der Narrenleiter zum Schindbock getragen wurde.

2Bald darauf baumelte er auch schon im Fleddersack hoch in den Lüften, wurde ordentlich durchgeschüttelt und zur Gaudi des Publikums geleimt und gefedert. Die Zuschauer amüsierten sich königlich. Zur Belohnung gab es für die "Krabbenaze" gar standing ovations vom Publikum.

Natürlich musste der Landesvater nun auch sein "Vergehen" beichten: Er hatte im ZDF-Sportstudio zusammen mit dem Top-Fussballer Pelé versucht, die Torwand zu treffen, doch statt des linken oberen Loches, auf das er zielte, traf er das untere rechte. "Heimlich hinüber geschielt" habe er, wurde ihm von den Narren vorgeworfen. Schließlich bekam er vom Zunftschmied noch den Doppelpfünder-Orden umgehängt und konnte sich freikaufen - so wie es bei den Narren Brauch ist.Der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz bot 120 Flaschen Rotwein - und wer wollte da noch widerstehen?! Nun konnte er endlich als König Kurt, der Erste, die Fleddersäckchen in die närrischen Menge werfen.

(Quelle: BZ vom 09.02.2000; geschrieben von Dorothee Wieland)          

Bild oben: Prominentes Opfer der Bohlsbacher Krabbenaze im ZDF-Narrentreiben: Ministerpräsident Kurt Beck (Foto: Manfred Wieland)                             

Bild unten: Die Bohlsbacher "Krabbenaze" mit dem Rheinland-Pfälzischen Ministerpräsident Kurt Beck (Mitte) und Otto Schnurr, dem Präsidenten des Ortenauer Narrenbundes (rechts)

Im Krabbenaze-Narrenkeller ging´s hoch her

Der Maestro di Amüsemento führte durch ein närrisches Programm, das ganz italienisch daher kam

Offenburg-Bohlsbach                                                               

Auffallend viele Herren im dunklen Anzug, mit Hut und Sonnenbrille hatten sich eingefunden und auch einige "Touristen" schienen sich in die Gewölbe unter dem Rathaus verirrt zu haben. Aber schon nach kurzem Hinschauen war der Grund klar: Man war in einem orginellen italienischen Ristorante gelandet. Gemäß dem Motto des Abends "Bella Italia" zierten nicht nur die italienischen Farben den Raum, sondern es hing auch der verführerische Duft von Pasta, Pizza und Bolognese in der Luft.Krabbenaze-Präsident Karl Küderle brauchte so die Narren auch gar nicht weiter einzustimmen. Um das südländische Feuer auch in die Beine fahren zu lassen, startete gleich ein Tanzkorso italienischer (Urlaubs-)Melodien.

Abgelästert

1Danach kam die grosse Stunde des Maestro di Amüsemento alias Mario Losekamm. Er kündigte eine "Delikatesse der besonderen Art" an, nämlich die wohl bekannten Zunftwieber. Allerdings hielt man in diesem Jahr vergeblich nach den Damen mit der spitzen Zunge Ausschau. Die Maske hatte ganze Arbeit geleistet und Luigi, Toni, Guiseppe und Co. lästerten als männliche Gastarbeiter der ersten Stunde herzhaft ab. Immer wieder gern erwartet wird das traditionelle Krabbeballett. Schon schwebten, nein, gondelten sie herein: Venezia lässt grüssen. Und dann stürmten schwungvoll die Pizzabäcker auf die Bühne, verteilten ihre duftende Köstlichkeit unters Publikum und rissen mit rhythmischem "Pizza, Pizza" die Zuschauer von den Sitzen.

Bohlsbach befindet sich - längst bekannt - dieses Jahr im Okenfieber. Und so war es nicht verwunderlich, dass sich auch ein "Professore Enrico Strizzi" auf der Bühne meldete. Er hatte den neuesten Entwurf für ein Bohlsbacher Okendenkmal mitgebracht: Einen original Okenfuß, der sich bei näherem Hinsehen als echter Ochsenfuß entpuppte. Und weil der Fuß vom Ochsen weg war, blieb - logisch - ein Oken: die einzig denkbare moderne Version eines Denkmals. Nur "grosse, grosse musse sein", wie der Professor nicht müde war zu betonen.

Jungkrabben-Taufe

Jedes Jahr aufs Neue ein Zeremoniell der besonderen Art: die Neuaufnahme der Hästräger. Trommelwirbel und Fanfarengeschmetter begleiteten die Jungkrabben bei ihrem Sprung durchs berüchtigte "Schlupfloch". Zunftmeisterin Marlene Wieland hatte alle Hände voll zu tun, die aufgeregten Vögel einzuschwören und von der prominenten Zeugenschaft unterfertigen zu lassen.

Wer rastet, der rostet - und deshalb eroberten die DJ´s aus dem italienischen Alpenland die Bretter, die die Welt bedeuten. Wer jetzt noch sitzen blieb, war selber schuld. Bei solch strammen Waden ruft selbst die Mutti "Mamma mia". Wenn Töne Räume füllen, darf auch die grosse Pauke nicht fehlen und auf diese hauten noch einmal die "Galgenvögel" zum Finale - Ramba zamba, bis die Wände wackelten

 

(Quelle: OT; geschrieben und fotografiert Manfred Wieland)                                           

Bild oben: Zunftmeisterin Marlene Wieland (links) und Krabbenaze-Präsident Karl Küderle (2. von rechts) leiteten im Bohlsbacher Narrenkeller ein rasantes italienischen Spektakel