Narrentradition

Narretei und Mummenschanz haben die Menschen schon früh in ihren Bann gezogen. Die Lust am Verkleiden, sich zu vermummen, d.h. für andere unkenntlich machen, gehört seit jeher zu derartigen Ritualen. Mit ziemlicher Sicherheit diente dies in frühen Zeiten auch zu mannig- faltigen Beschwörungszeremonien. Anlässe gab es genügend, bei denen es darauf ankam, als Schreckgestalt, furchterregender „Wilder Mann“ oder vermummte Tiergestalt, die Geister und Unholde zu vertreiben, die Haus und Hof und Leben der Bewohner bedrohten. Allerlei Lärminstrumente; Rätschen, Klangbretter der Hillenbiller, Hörner und Schellen taten ein übriges, den Schutz zu verstärken oder endlich den gefürchteten Winter zu vertreiben. Mancherorts haben sich derartige Bräuche noch erhalten; da gibt es bspw. die Schweizer Sylvesterklausen, die Alpenländischen Perchten oder  den Hohenlohischen Feigenbutz . Sie erschrecken, vertreiben oder stehen  für den aufbegehrenden aber im Scheiden begriffenen Winter. Zu anderen Jahreszeiten wurden oder werden Sonnwend-, Oster- oder Scheibenfeuer entzündet. Vielerorts sind diese Bräuche allerdings mehr oder weniger verschwunden oder haben sich teilweise mit fastnachtlichem Gedankengut und Brauchtum vermischt. Da die Fastnacht oder der Karneval ganz in der Folge und Tradition christlicher Überlieferung steht, ist auch die Figur des Narren folglich in diesem Zusammenhang zu sehen. Mit Sicherheit waren Narren der unterschiedlichsten Ausprägung schon seit alters her bekannt. Im Mittelalter unterschied man überdies zwischen natürlichen Narren und sogenannten Schalksnarren. Während erstere an einer sichtbaren körperlichen oder geistigen Behinderung litten, hatten es sich die Schalksnarren aus Lust oder Profession zur Aufgabe gemacht, ihre Mitmenschen zu necken, sich über sie lustig zu machen und ihre oftmals derben Possen zu reißen. Der Narr galt allgemein als Gottesleugner, der mit seinem „non est deus“ die Gläubigen verschreckte. Bei Hofe wurde er deshalb als Mahner und Possenreißer eingesetzt, um die Herrschenden auf dem rechten Weg zu halten, ihnen die „Vanitas“ , d.h. die Vergeblichkeit eitlen und selbstgefälligen Denkens und Handelns vor Augen zu führen. Hierbei konnte sich der Narr gewisse Freiheiten heraus nehmen, musste jedoch auch immer damit rechnen, für sein leugnerisches und nicht gottgefälliges Tun bestraft zu werden. Auch die sog. „natürlichen Narren“, konnten deshalb für diese Aufgabe eingesetzt werden, denn ihr Aussehen und Verhalten wurde von ihren mittelalterlichen Zeitgenossen als gerechte Strafe für ein wie auch immer geartetes Fehlverhalten angesehen. Natürlich lag es in der Natur der Sache, dass man sich schon bald närrisches Verhalten zu  eigen machte, sei es um Mitbürger zu verspotten oder um sich in närrischer Verkleidung auszutoben und seinen Schabernack zu treiben. Bekanntestes Beispiel hierfür ist der beliebte und gefürchtete Till Eulenspiegel. Besonders die kurze Zeitspanne vor der vorösterlichen Fastenzeit war beinahe bei jedermann für ausgelassenes und ausschweifendes Verhalten besonders geeignet. Vom „Schmotzigen Dunnschtig“ bis Aschermittwoch tobte man sich noch einmal gehörig aus und wollte neben Essen und Trinken, sich geradezu närrisch benehmen. Es liegt nahe, dass schon bald die verschiedensten närrischen Verkleidungen und Vermummungen herhalten mussten, um solchen Schabernack wirkungsvoll betreiben zu können. Wenn man dann noch Elemente des Volksaberglaubens bediente, war der Erfolg beinahe schon gesichert. Wenn dies in früheren Zeiten wilde Männer und Unholde waren, so folgten Geister und Fabelwesen und letztendlich die heute so beliebte Hexe, die uns schon als Kind in ihren Märchen erschauern ließ. Die heute gebräuchlichen Holzmasken oder das bunte Häs waren eine Folge der wenigen zur Verfügung stehenden Materialien, aus denen man eine wirksame Verkleidung zusammen basteln konnte. Die prunkvollen schönen Larven des Barock und Rokkoko hatten ihr Vorbild im Karneval von Venedig und waren nur wenigen Begüterten vorbehalten. Wachsender Wohlstand hat es möglich gemacht, dass eine breite Bevölkerungsschicht sich kunstvoll geschnitzte Masken oder Larven leisten kann und dass ein einfaches Flecklehäs sich zu einem prunkvollen Gewand entwickelte. Wichtig bleibt jedoch auch heute der Grundgedanke des Narrenbrauches; die Gewaltigen, Bosse, Schultes, Politiker an ihre „Vanitas“ zu erinnern,  sie im wahrsten Sinne des Wortes zu strehlen und sie mit Schnurren und Possen dem „gemeinen Volk“ zugänglich zu machen und ihre Ohren entsprechend zu „öffnen“.