Gründung der Narrenzunft

Obschon ältere und mittelalte Bohlsbacher und sog. Auswärtige noch heute von der Wirtschaftsfasent schwärmen, die sich besonders in der vormaligen Brauerei Jockerst abspielte, war diese Uhr Anfang der Siebzigerjahre weitgehend abgelaufen. Eine  Gemeindehalle wurde errichtet, die örtlichen Vereine sahen die Möglichkeit große Fasentbälle in eigener Regie auszurichten, aber bei aller Fasentbegeisterung fehlte eine örtliche Narrenzunft. Sie hätte vermutlich auch noch längere Zeit gefehlt, hätten sich nicht einige Fasentbegeisterte zusammengeschlossen, um eben eine solche Zunft zu gründen. Dies war nicht ganz leicht und auch nicht zu aller Freude, denn wie schon gesagt, lagen die Fasnachtsaktivitäten und nicht zuletzt der örtliche Fasentumzug in Händen der damals noch wenigen Ortsvereine. Dennoch, die siebziger Jahre des, wie man nun bereits sagen kann, vergangenen Jahrhunderts und gar Jahrtausends, waren die Geburtsstunde einer Reihe von neuen dörflichen Fasentzünften, so eben auch in Bohlsbach. Gesagt getan, man machte sich an die Arbeit; Fasentinfizierte waren schnell gefunden, die Idee, eine etwas andere Gestalt als wie bereits allenthalben praktiziert, nur aus dem örtlichen „Necknamen“entstehen zu lassen, fand Zu -stimmung und so war ohne große Geburtswehen der „Krabbenaze“ aus der Taufe gehoben.
Dem Krabbenaze haftete etwas Geheimnisvolles an, etwas Unheimliches und doch Bekanntes, irgendwie vertraut, vom Nachtkrabb, mit dem die Großmutter drohte. Es war klar, die Fasentfigur musste etwas vom Vogel, vom sagenhaften Rabenaas haben, daneben sollte sie aber auch menschliche Merkmale aufweisen, eine nicht ganz einfache Aufgabe für die Zunftgründer. Doch schon bald war die Lösung gefunden, in einem vogelmenschlichen Gesicht prankte eine gebogene schnabelartig gespaltene Nase. Die grünlich gelbe Gesichtsfarbe verlieh ihm etwas Gespenstisch-Geisterhaftes. Das Häs erinnerte mit seinen blau-schwarzen Fransen an eine flatternde „Krabb“. Nicht zuletzt musste der Anblick der vielen Raben und Krähen in der Nähe der mittelalterlichen Richtstätte zum Entstehen der örtlichen Schreckgestalt des „Krabbenaze“ beigetragen haben. Nun sollte er als eine Verschmelzung von Schreckgeist, Winteraustreiber und nicht zuletzt fasnächtlichem Possenreißer eine närrische Wiedergeburt erfahren. Bald schon stieß man auch  auf die Verbindung des Krabbenaze zum Gewann Holderstock und damit auf den Narrenreim des „Rumple, bumple Holderstock…“, das den Krabbenaze und seine Zunftgesellen, Seiler und Bock seit nunmehr 33 Jahren begleitet. Neben den Hästrägern fand sich eine Gruppe Frauen, die als Marketenderinnen die Vermummten begleiteten und stets mit ihrem Korb zur Stelle waren, wenn ein Hästräger oder auch ein umzugsbegeisterter Fasentnarr einer Stärkung bedurfte. Natürlich war der Korb stets prall mit Gutsele gefüllt, so dass auch die Kinder immer auf ihre Kosten kamen. Für die musikalische Unterhaltung sorgte bald nach der Zunftgründung der Fanfarenzug und seit einigen Jahren hat sich hieraus eine zunfteigene Guggemusik formiert, die mit ihren schrägen Klängen beim Publikum bestens ankommt. Als Einzelfiguren begleiten den Zug Narrenvater und Narrenmutter in einem dem  Bohsbacher  „Hochzitergewand"     nachempfundenen Häs und als weitere Einzelfigur treibt der Abbisser sein Unwesen; ein gewaltiger insektenhafter Schrecksler, der mit seiner nimmermüden Zange ständig nach etwas Fressbarem giert.

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