Krabbenaze Bohlsbach

Krabbenaze

in diesem Wort steckt klar erkennbar das alemannische "Krabbe", was wiederum auf Hochdeutsch der Rabe bedeutet. Der Rabe, bzw. die Rabenkrähe, jener wohlbekannte Vogel, spielt bereits seit uralten Zeiten in den Märchen und Mythen eine gewichtige Rolle. Neben seinem Auftreten als Seelenvogel wird er zuweilen auch als Verkörperung des Teufels angesehn, daneben kann der Rabe jedoch auch kluger und beratender Geleiter des Menschen sein; ja, er bedient sich nicht selten gar der menschlichen Sprache. Krabbenaze, das ist jene geheimnisvolle Gruselgestalt, die schon halb vergessen, von den Bohlsbacher Narren zum Leben wieder erweckt wurde.

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So gab auch der Name "Krabbenaze" ausreichend Anlass zu Spekulationen und ängstlichem Schauer, aber auch zu Spott und Schabernack. Was lag näher, als sich des alten Reims zu bemächtigen, jenes "Rumple, bumple Holderstock, krummi Hörner het dä Bock, un ä schiefi Fratze het de Krabbenaze"; sollen sie doch in alter Zeit gerade im Gewann "Holderstock" auf Bohlsbacher Gemarkung besonders viele Krabben aufgehalten haben. So war es nur natürlich, den Krabbenaze als nächtliche Ausgeburt dieser geheimnisumwitterten, scheuen Vögel zu erklären.

1Mit einer grünlichen Maske, der langen, schnabelartigen Nase, den runden Vogelaugen, erinnert er an ein Wesen, halb Mensch, halb Tier. Verstärkt wird der Eindruck durch sein blau/schwarzes Fransenhäs-Gefieder auf rotem Grund. In der Hand hält er die Klepper, eine Mischung aus Narrenmarotte und Fruchtbarkeitssymbol, wie es den Narren seit alters her ziert

Ihn begleitete der Seiler, die dunklen Mächte verkörpernd und daneben in seinem grellroten Häs, ganz in der alten Narrentradition stehend. Ihm zur Seite stehen stehts einige Böcke und der Abbisser, als Helfer bei seinen steten Bemühen zu schnurren und zu strählen. Vornehmlich sind es die "Prominenten", die er mit seinem langen Seil einfängt und die sodann am sogenannten "Schindbock" dem Narrenvolk zur Schau gestellt werden.

Hier zeigt sich einmal mehr der Narrenbrauch, die Verhältnisse auf den Kopf zu stellen, die "Obrigkeit" durchzuhecheln, den so Gefangenen gleichsam zu "hängen und zu fleddern", d.h. mit ihm auf närrische Weise ins Gericht zu gehen. Dass dabei auch die Federn fliegen, hat eineseits mit der Figur des "Krabb" zu tun, anderseits erinnert es an das bekannte Bild von Frau Holle, wo die Federn fliegen. Man kann es also getrost als einen Brauch des Winter-Austreibens bezeichnen. Wenn der "närrische Delinquent" sodann die "Fleddersäckchen" unter die Kinder wirft, ist dies ein Tribut an die alte Heischebräuche der heimischen Fasent und nicht zuletzt muss er, bevor er sich befreien darf, die Krabben im wahrsten Sinne des Wortes zu "atzen" vesprechen - mit einem guten Trunk oder entsprechender Fasentpreise.

Auf diese Weise mit der alemannischen Fasent bekannt gemacht, geleitet von den lieblichen Marketenderinnen und begleitet vom Schall der Guggemusik "Galgenvögel", ertönt vom Delinquent in närrischem Gewand zusammen mit der Narrenschar ein kräftiges

"NARRI, NARRO ! "

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Rückblick über drei Jahrzehnte Narretei 1975 Gründung der Narrenzunft Krabbenaze als e.V. Zunftfiguren: Krabbenaze, Seiler, Bock, Marketende- rinnen. Vorbereitungen für die Fasent 76 im legendären „Cafe´Küderle“. Ortsvorsteher Klaus Ockenfuß genehmigt Kellerraum im Rathaus, den sog. „ Schlauch“. Teilnahme an Umzügen, Feiern im Keller u. in der Gemeindegarage. 11.11. Fasenteröffnung mit Kürbis- und Rübengeisterumzug. Wettkampf „Krabbelocken“ über den Kammbach. Gründung des Fanfarenzugs. Hist. Uniformen. Mitbegründerzunft beim Offenburger Narrentag. Bau des sog. „Schindbocks“ . „Hängen und Fleddern“ in der Stadt und beim Zunftabend in der Festhalle. Umzüge in der Schweiz und Frankreich und BW. Ausbau des Narrenkellers im ehem. Volksbad/Rath. Gründungsmitglied im Ortenauer Narrenbund. Jubiläum 11 Jahre, Einweihung des Narrenbrunnens. Großer Umzug in Bohlsbach. Narrenbaumstellen, Rathaussturm, Gizigrufen, Schnurren und Schnaigen im Dorf. Ausrichtung der Weihnachtsfeier in der Festhalle, Vatertagsfest am Brünnele, Wiederaufbau der Waldhütte in Kooperation mit franz. Militär und Bundeswehr. Jährliche Besuche bei Franzosen im Holderstock, Entwicklung der deutsch-französischen Freundschaft. Höhepunkt: Fest der „Franzosen vom Holderstock" für Bohlsbach in der Festhalle. Teilnahme an Fußballdorfmeisterschaft, Volksradfahren, Tennisturnier, Vereinsjubiläen uvam. Teilnahme an 500 Jahre Herrenfasnacht in hist. Kostümen. Historische Narrenschmiede, Hängen und Fleddern von Prinz Luitpold von Bayern. Einladung zum Kaltenberger Ritterturnier, Ritterschlag und königl. priv. Narrenschmiede. Erster von Prinz Luitpold gestifteter Herrentrunk! Erweiterung des Zunftkellers um Bühne und Rittersaal. Jubiläum 22 Jahre Krabbenaze mit Narrentreffen. Einzelfigur des „Abbisser“, Narrenvater und Narrenmutter in bohlsbachmäßigem Gewand. Auftritte in Funk und Fernsehen. Ministerpräsident Kurt Beck in Koblenz, Heiner Geißler in Sasbachwalden, Ministerpräsident Günther Öttinger in Berlin „Gehängt und Gefleddert.“ Offenburger Freiheitsfest-Bau der Barrikade, Aufpflanzen des Freiheitsbaums; mehrjähriger szenischer Auftritt mit Barrikade vor Salmen beim Freiheitstag. Teilnahme beim hist. Umzug der althist. Narrenzunft als Prinz Offo mit Burg und Gefolge. Umwandlung des Fanfarenzugs der Krabbenaze in die Guggemusik „Galgenvögel“. Bohlsbach-Militärlager beim großen Okenfest. Auftritt der „ Bohlsbacher Bürgersoldaten“ bei der Landesgartenschau in Kehl. Krabbenaze verteidigen als Schlosswache den Klingelberger auf der Staufenburg in Durbach. Mitausrichter des großen Ortenauer Narrentages mit Umzug in Offenburg. 33 Jahre Krabbenaze Bohlsbach mit Jubiläumsumzug.